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Unterlagen für den Verkauf eines Mehrfamilienhauses – Checkliste & Tipps

Mehrfamilienhaus verkaufen – Unterlagen, Datenraum & Strategie

Praxisleitfaden für Saarbrücken & das Saarland: Welche Unterlagen benötigt werden, wie Sie den Datenraum strukturieren, wie die Preisfindung (Ertragswert) funktioniert – plus Ablauf, Off-Market-Option und typische Stolperfallen.

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Kurzberatung zur Preisstrategie (Ertrag/Marktvergleich), Unterlagenliste prüfen & Datenraum strukturieren – unverbindlich.

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1) Besonderheiten beim Verkauf eines Mehrfamilienhauses

Mehrfamilienhäuser werden überwiegend ertragsorientiert bewertet und an Kapitalanleger bzw. Bestandshalter verkauft. Entscheidend sind belastbare Zahlen, vollständige Unterlagen und ein klarer, datenschutzkonformer Prozess.

  • Mieter & Privatsphäre: Besichtigungen abgestimmt; sensible Daten nur selektiv (NDA/Finanzierungsnachweis) teilen.
  • Ertragsfokus: Netto-Ist-Miete, Leerstand, BK-Struktur (umlagefähig/nicht umlagefähig), Capex-Historie & -Planung.
  • Diskretion: Oft effizienter: Off-Market über kuratierte Kontakte statt breite Inserate.

Vertiefend: Leitfaden Immobilienverkauf · Vorbereiten: Checkliste

2) Unterlagen-Checkliste (kompakt)

Je vollständiger & plausibler, desto schneller die Prüfung & Finanzierung.

Basis & Recht

  • Aktueller Grundbuchauszug, Flurkarte/Kataster
  • Baulasten, ggf. Denkmalschutz, Erbbaurecht
  • Baugenehmigungen, Bauzeichnungen, Baubeschreibung
  • Flächenaufstellung (Wohn-/Nutzflächen) & Grundrisse
  • Energieausweis (Pflichten & Kosten)

Miete & Ertrag

  • Mietverträge je Einheit (Anlagen, Staffeln/Index)
  • Aktuelle Mietenliste (Ist/Soll), Kautionsübersicht
  • Letzte 2–3 BK-Abrechnungen & Kostenstruktur
  • Leerstandshistorie, Mietminderungen, Prozesse
  • Mieterhöhungen/Modernisierungsumlagen

Gebäude & Technik

  • Baujahr, Heizungstyp & Baujahre der Gewerke
  • Wartungsverträge (Heizung, Aufzug, Brandschutz)
  • Sanierungsnachweise (Dach, Fassade, Fenster …)
  • Schornsteinfegerprotokolle, Elektro-Prüfungen
  • Schadstoff-/Asbestthemen (falls bekannt)

Wirtschaft & Transaktion

  • Einnahmen-/Ausgabenübersicht (12–24 Monate)
  • Capex-Plan, Instandhaltungsrückstau
  • Mieter-/Einheitenliste (Fläche, Etage, Status)
  • Inventar/Sondereigentum (falls mitverkauft)
  • Geplante Maßnahmen bis Übergabe

Für ETW-Pakete zusätzlich WEG-Unterlagen: Teilungserklärung, Protokolle, Wirtschaftsplan, Rücklagenstand. Einzel-Checklisten: Haus · Wohnung

3) Digitaler Datenraum: Struktur & Freigaben

Klarer Aufbau spart Rückfragen & beschleunigt die Prüfung.

01_Basis

  • Exposé.pdf, Lageplan, Grundbuch, Flurkarte
  • Baugenehmigungen, Energieausweis

02_Miete

  • Mietverträge je Einheit (ein Ordner je WE)
  • Mietenliste.xlsx, Kautionen, Mieterhöhungen

03_Gebäude

  • Pläne/Flächen, Wartungen, Sanierungsnachweise
  • Schornsteinfeger, Prüfberichte, Fotos

04_Transaktion

  • Q&A, Kaufvertragsentwurf (später)
  • Absprachen/Protokolle, LOI/Term-Sheet
Freigaben in Stufen: Teaser/Exposé → Datenraum-Lite → Vollzugang nach Finanzierungsnachweis/NDA.
Kurz gesagt
Unterlagen komplett + klarer Datenraum → schnellere Prüfung & bessere Verhandlungsposition.

4) Preisfindung beim Mehrfamilienhaus (Ertragswert)

Im Fokus steht der Cashflow: Wie stabil, steigerbar und risikoadäquat sind die Erträge? Aus der Netto-Ist-Miete und einer marktfähigen Rendite-Bandbreite ergibt sich die Preisspanne.

  • Ertragsbasis: Netto-Kaltmiete (Ist/Soll), Leerstand, nicht umlagefähige Kosten (NOI-Logik).
  • Renditeband: Lage/Mikrolage (z. B. St. Johann vs. Malstatt), Zustand, Risiko, Objektgröße.
  • Capex & Risiken: Sanierungsbedarf (Dach, Heizung, Fassade), Mietermix, rechtliche Themen → dämpfend einpreisen.

Hinweis: Marktwerteinschätzung (kein amtliches Gutachten). Relevante Vergleichsfälle & Nachfrage einbeziehen.

5) Vermarktungswege: offen vs. diskret (Off-Market)

Für MFH ist die qualifizierte Direktansprache häufig überlegen – gerade bei vermieteten Objekten.

Offene Vermarktung

  • Große Reichweite, hohes Anfragevolumen
  • Transparente Marktreaktion & Benchmarking
  • Mehr Koordination mit Mietern notwendig

Diskret / Off-Market

  • Angebot nur an geprüfte Kapitalanleger/Bestandshalter
  • Weniger Öffentlichkeit, schnellere Rückmeldungen
  • Schont Mieterstruktur & vermeidet Unruhe

Passend zum Ziel: Makleralleinauftrag – sinnvoll oder riskant?

6) Ablauf, Notar & Übergabe

  1. Ersteinschätzung & Zielsetzung: Preisspanne, Vermarktungsweg, Zeitplan, Unterlagenliste.
  2. Unterlagen & Datenraum: Vollständigkeit herstellen, Freigaben in Stufen.
  3. Qualifizierung & Termine: Finanzierung klären, selektive Besichtigungen.
  4. Angebote & Verhandlung: Terms vergleichen (Kaufpreis, Übergabetermin, Capex, Risiken).
  5. Notar: Entwurf prüfen, Beurkundung, Fälligkeitsmitteilung, Zahlungseingang.
  6. Übergabe: Protokoll, Zählerstände, Schlüsselplan, Dokumentenmappe.

Recht & Kosten: Maklerprovision · Erb-/Spekulationssteuer · Vermietung: § 566 BGB „Kauf bricht nicht Miete“.

7) Häufige Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

  • Unvollständige Mietunterlagen: Verträge, Kautionen, Erhöhungen, Minderungen – lückenlos bereitstellen.
  • Flächenabweichungen: Plausible Aufmaße/Pläne; Abweichungen proaktiv erklären.
  • Sanierungsbedarf unterschätzt: Capex-Liste & Wartungen belegen, Risiken bepreisen.
  • Datenschutz & Mieterkommunikation: selektive Infos, abgestimmte Termine, respektvoll auftreten.
  • Falscher Angebotspreis: Bandbreite statt Fixpreis; Reaktion beobachten, Strategie anpassen.
  • Unklare Absprachen: Kernthemen schriftlich fixieren (Übergabe, Inventar, offene Punkte).

Selbst verkaufen? Lesen Sie: Ohne Makler: 14 typische Fehler

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Häufige Fragen (Mehrfamilienhaus)

Grundbuch, Flurkarte, Energieausweis, Pläne/Flächen, Mietverträge je Einheit, Mietenliste, Kautionsübersicht, Betriebskostenabrechnungen, Wartungen und Sanierungsnachweise. Details oben in der Checkliste.

Bei MFH dominiert der Ertragswert (Netto-Ist-Miete, Renditeband, Capex). Vergleichsfälle und Lage fließen ein. Wir empfehlen eine Preisspanne statt eines Fixpreises.

Kommt auf Ziel & Objekt an: Off-Market schont Mieter und liefert qualifiziertes Feedback. Offen bringt Reichweite. Häufig ideal: gestufte Strategie.

Termine früh abstimmen, Informationen selektiv teilen, kleine Gruppen, Rücksicht auf Privatheit. Klare Kommunikation senkt Widerstände und verbessert Besichtigungen.

Abhängig von Konstellation & Vertragsgestaltung. Die hälftige Teilung (§ 656c BGB) gilt typischerweise für Einfamilienhäuser/ETW mit Verbraucherbeteiligung. Bei Anlageobjekten sind andere Modelle möglich. Details im Ratgeber Maklerprovision.